Die Stadtmusik Bregenz ist einer der ältesten Musikvereine Vorarlbergs, dem westlichsten Bundeslandes Österreichs.
Bregenz, die Landeshauptstadt Vorarlbergs, darf 3 Musikvereine "ihr Eigen" nennen: MV Fluh, Stadtkapelle Bregenz-Vorkloster und eben... Stadtmusik Bregenz.
Geschichte
Der Anfang
Die erstmalige Erwähnung einer "Städtischen Musik" geht auf eine Quelle zurück, in der Stadtpfarrer Liberat Steger 1801 den festlichen Ablauf der Fronleichnamsprozession beschreibt:
"Nach dem Vorantritt der Kinder und der Jungfrauen kam eine Militärabteilung mit Fahnen, Pfeifen und Trommeln, anschließend folgte die städtische Musik mit ihren Trompeten, Pauken und den Blasinstrumenten".
Die Stadtmusik Bregenz verknüpft ihr Bestehen nicht mit einem nebulusem Datum, sondern mit der ersten urkundlichen Erwähnung einer "städtischen Musik".
Die Entwicklung
In ihrer geschichtlichen Entwicklung scheint die Stadtmusik Bregenz immer wieder in den Akten des Stadtarchivs auf, jedoch unter verschiedenen Namen:
1801 als städtische Musik,
1840 als Harmoniemusik Bregenz,
1850 als Musikverein Bregenz,
1905 als Bürgermusik Bregenz und seit
1926 als Stadtmusik Bregenz.
Die mehrmalige Namensänderung deutet daraufhin, dass der Verein keine kontinuierliche Entwicklung durchgemacht hat. Sie erfolgen häufig nach Krisenzeiten, wenn der Verein wieder unter neuer Führung stand.
Der Verein heute
Im Jahre 1954 kam es in der Stadtmusik Bregenz zu einer Vereinsumbildung, die von der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Vorarlberg mit Bescheid vom 15.11.1954 nicht untersagt und somit anerkannt worden ist:
SPRUCH: Die von Ihnen h. a. am 15.11.1954 angezeigt Umbildung des Vereines: STADTMUSIK BREGENZ mit dem Sitz in Bregenz wird nach dem Inhalt der vorgelegten abgeänderten Statuten gemäß §§7 und 10 des Vereinsgesetzes 1951 nicht untersagt.
Der Verein ist verpflichtet, die im Vereinsgesetz 1951 bzw. Vereins-Reorganisationsgesetz vom 31. Juli 1945, StGBl. Nr. 102, festgesetzten Bestimmungen genau einzuhalten.
(Auszug aus den Satzungen der Stadtmusik Bregenz, November 1954)
ZEITTAFEL
von Stadtarchivar Emmerich Gmeiner
Die folgende stich wortartige Überschau bringtdie markantesten Daten und Vorgänge der Entwicklung der Stadtmusik Bregenz.
Sie zeigt unübersehbar die Problematik derFestsetzung des Gründungs- bzw. Bestandsdatums und macht die vereinsgeschichtliche Kontinuitätvom jeweiligen Stand der vereinsgeschichtlichen Forschung abhängig.
1758
Erstmalige Erwähnung von Musikanten bei der Fronleichnamsprozession:
,,bezale denen Musikanten 2fl 2x"
1767
Für ihre Mitwirkung bei der Fronleichnamsprozession werden 9 Musikanten 6 fl 10x bezahlt. Die jährlich gleichbleibende Zahlung von 4 17 in den Jahren von 1768 - 1788 lässt den Schluss zu, daß es sich bei den Musikanten nicht nur um einen x-beliebig zusammengewürfelten Haufen musizierender Vaganten handelte, sondern um einen Klangkörper von etwa 8 Mann.
1789
"Trompeter und Pauggenschlager und Musikanten" werden mit 5 fl entlohnt.
1791
Der Benefiziat und ,,Kapellmeister" Rhomberg legt eine Rechnung von 22 fl für den Kauf von 2 Waldhörnern aus Nürnberg vor.
1801
Stadtpfarrer Liberat Steger beschreibt in seiner Pfarrchronik den festlichen Ablauf der Fronleichnamsprozession: ,,Nach dem Vorantritt der Kinder und der Jungfrauen kam eine Militärabteilung mit Fahnen, Pfeifen und Trommeln. Anschließend folgte die städtische Musik mit ihren Trompeten, Pauken und den Blasinstrumenten".
Die Ratsprotokolle erwähnen das Bestehen einer Musikkompanie unter der Leitung des Präzeptors Anton Martini.
1806
Bei Festlichkeiten anläßlich der 4nnexion Vorarlbergs durch Bayern findet neben einer bayerischen Militärkapelle die ,,Gesellschaft der hiesigen bürgerlichen Musiker" Erwähnung.
1814
Bürgergarde und Musik begrüßen im Rahmen der Festlichkeiten zur Heimkehr Vorarlbergs an Österreich das einziehende österreichische Militär an der Achbrücke.
1818
Gebhard Roder, der Pionier des Bregenzer Fremdenverkehrs, der bisher ,,aus Liebe für die Musik" die Leitung der türkischen Musik besorgte, ersucht den Stadtmagistrat' eine Direktion zu bestimmen.
1819
In einer Eingabe ersuchte der Kreisamtsschreiber Gebhard Roder um eine Vergütung für den Spielabend der 18 Musiker anläßlich des Besuches des Erzherzogs Josef von Ungarn.
In den folgenden Jahren ergießt sich eine wahre Flut ,,Hoher Besuche" über die Stadt: Dem Palatin von Ungarn, Erzherzog Joseph, im Jahre 1819, folgt 1823 der Kronprinz und spätere Kaiser Ferdinand. Das Jahr 1824 brachte den Besuch des Erzherzogs Karl, des Vaters von Kaiser Franz Josef
Für 1826 ist wiederum der Besuch des Erzherzogs Karl und die zweimalige Durchreise des Königs v. Württemberg berzeichnet; 1832 besuchte der Prinz von Hessen-Homburg und 1833 Erzherzog Maxim ilian von Este mit den Erbprinzen von Modena die Stadt. 2 Jahre später, im Jahre 1835 erschien die beliebte und jedem Fortschritt zugeneigte Erzherzog Johann. 1838 kam Kaiserin Alexandra von Rußland und stieg im ,,Goldenen Adler" ab. Bei diesen und ähnlichen Ereignissen konzertierte je nach der Formulierung der Chronisten die ,,türkische Musik", ,,die hiesige Musikgesellschaft" oder ,,die verbürgerten Musikanten".
1842
Der ehemalige Militärmusiker undparmasensische Kammer-Musik-Direktor Martin Schall entwirft Statuten für die "neuformierte Stadt Harmonie in Bregenz" mit dem Kernsatz: Überhaupt muß im ganzen Ordnung, Liebe und brüderliche Freundschaft untereinander herrschen, um Fortschritte, Ehre und Reputationerreichen zu können".
Die Stadt bevorschußt die Neuanschaffung von Instrumenten mit einem Betrage von 532 fl.
1843
Martin Schall wird mit 1. Jänner seitensder Stadt als provisorischer Musiklehrer des ,,neu entstandenen Musikinstitutes" ernannt. In diesen Vorgängen wurzeln die Anfänge der Bregenzer Musikschule und des Konservatoriums.
Persönliche Differenzen mit demkulturgewaltigen Gebhard Roder und dem für kirchenmusikalische Belange zuständigen Präceptor Hämmerle machen dem gelernten Musiker das Engagement verleidig und bewegen ihn nacheinjähriger Tätigkeit zur Kündigung. Seine Funktion übernimmt der Bataillonstrompeter Werner.
1847
Aus Anlaß des großen kaiserlichen Freischießens bevorschußt um einen Gesamtbetrag von etwa 1000 fl die Stadt die Neuuniformierung der 35 Mitglieder der Stadtmusikbande. Die Musiker verpflichten sich, etwa die Hälfte der Gesamtkosten selbst zu finanzieren und in jährlichen Raten zurückzuzahlen. DiesesAbstottern führte - wie bei der Neuanschaffung von Musikinstrumenten im Jahre 1842 - in denfolgenden Jahren zu Auseinandersetzungen mit dem Stadtmagistrat, welcher die Eintreibungder Raten teilweise mit Gerichtsbeschluß betrieb.
1860
Der Verkauf der seinerzeit unter hohen Kostenangeschafften Uniformstücke zeigt vom totalen, abermaligen Niedergang des MusikvereinesBregenz.
1863
Dieses Jahr stellt eine markante Wende derVereinsgeschichte dar: Mit Elan betreibt der damalige Bürgermeister und spätere Vorstand Anton Kinz die Neugründung eines ,,Musikvereines Bregenz".
Mit den 1864 von der Statthalterei genehmigten Statuten stellt er den Verein auf eine breite Basis, in dem er die Existenz eines Musikvereines nicht von den sporadischen Geldzuwendungen des Stadtmagistrates abhängig macht, sondern durch die Heranziehung unterstütztender Mitglieder (jährlich 2 fl) im Selbstbewußtsein der Bürgerschaft verankert. Hinzu kommt der glückliche Umstand, daß für die musikalische Leitung des Klangkörpers in der Person des Kapellmeisters Adalbert Jaksch ein Mann gefunden wird, der mit seiner Qualifikation den Klangkörper zu schönen Erfolgen führen kann.
1875
Neuuniformierung der 32 Musiker der städtischen Musikkapelle um den Gesamtbetrag von 745 fl.
1905
Nach dem Weggang des betagten und verdienten Kapellmeisters Adalbert Jaksch 1898 und der freiwilligen Auflösung des Vereines im Jahre 1902 bildet sich 1905 mit etwa 20 Aktiven ein Nachfolgeverein unter dem Namen ,,Bürgermusik Bregenz".
1909
Aus Anlaß der 100-Jahrfeier der Erhebung Tirols und Vorarlbergs und des Kaiserbesuches erfuhren die Musiker eine Neueinkleidung.
1921
Die Lücken, welche der erste Weltkrieg in die Reihen der Bürgermusik gerissen hatte, sind nach Kriegsende nur schwer zu füllen. Ein erster Erfolg stellt sich ein, als die Bürgermusik beim großen Musikfest in Lustenau in der Abteilung "Schwere Musik" im ersten Rang den zweiten Preis erringen konnte.
1926
Seit diesem Jahr führte die bisherige Bürgermusik Bregenz die Bezeichnung "Stadtmusik Bregenz" die Führung des Stadtwappens auf Briefkopf und Uniform wird damals noch abgelehnt.
1930
Die Stadtmusik Bregenz "wählt" dieses Jahr, um ihren 100-lährigen Bestand zu feiern.
1938
Die politischen Ereignisse erschweren die Vereinstätigkeit und bringen sie durch die Einrückung zahlreicher Musiker zu Kriegsbeginn total zum Erliegen.
1946
Über Initiative des Stadtrates für Kulturwesen, Alfons Salzmann, kommt es am 25. März zu einer neuen Gründungsversammlung und zu neuer Probentätigkeit.
1949
Eine Neuuniformierung läßt die Stadtmusik Bregenz bei ihren zahlreichen Auftritten wie z.B. Eröffnung des Musikpavillons am See, Promenadenkonzerten, Weihnachtskonzerten usw. wieder als geeigneten Klangkörper erscheinen.
Autoren der Texte dieser Seite:
| Dr. Fehle, Walter |
(Ehem. Obmann des Vlbg. Blasmusikverbandes) |
| Prof. Dr. Schneider, Erich |
(Freund, Gönner, Kritiker, Chronist) |
| DSA Winzek, Thomas |
(Geschäftsführer der Stadtmusik) |